Remote Work
Arbeiten, wo der Schreibtisch nicht feststeht
SIM-Karte, Internet, Zeitzonen, Disziplin und was es wirklich kostet — die ehrliche Bilanz nach Monaten Remote Work aus Thailand.
Bevor irgendwas anderes funktioniert, muss die Basis stehen: Internet, das nicht ausfällt, und ein SIM-Setup, das nicht zum eigenen Zeitfresser wird. Der Rest — Zeitzonen, Disziplin, Kosten — kommt danach. Hier ist, was bei mir wirklich funktioniert hat und was nicht.
SIM-Karte & Internet
Ich hab das immer über eSIM gemacht, mein erstes Mal direkt am Flughafen aktiviert. AIS ist einer der größten Mobilfunkanbieter Thailands und bietet eigene eSIM-Tarife für Touristen an — unbegrenztes Datenvolumen, Laufzeiten zwischen 1 und 60 Tagen. Man bekommt sie an offiziellen AIS-Schaltern an großen Flughäfen wie Suvarnabhumi oder Don Mueang, in Einkaufszentren, oder schon vorher online — dann ist das Handy direkt bei der Landung online.
Wichtig dabei: nur bei offiziellen AIS-Ständen oder autorisierten Händlern kaufen, nicht bei irgendwelchen Ständen oder Leuten, die einen am Flughafen ansprechen. Es gibt da durchaus Scammer, die überteuerte oder gefälschte SIMs andrehen wollen. Für längere Aufenthalte bin ich dann auf einen regulären AIS-Tarif umgestiegen — rund 20 Euro im Monat für unbegrenztes Internet, völlig ausreichend.
Coworking im Alltag
Die WLAN-Realität ist unspektakulär gut: In Coworking Spaces hast du Internet, in Cafés hast du meistens Internet, in den Condos sowieso. Coworking im Alltag ist super easy, weil es überall Cafés gibt, in die man sich einfach reinsetzen kann — du musst nur ein Getränk bestellen. Dazu kommen echte Coworking Spaces, die oft kostenlos nutzbar sind, und viele Hotels und Condos haben eigene Coworking-Bereiche eingebaut.
Zeitzonen-Realität
Zu Deutschland liegt Thailand fünf Stunden voraus in der deutschen Sommerzeit, sechs Stunden in der Winterzeit. Klingt nach mehr Problem, als es ist — solange der Job flexibel genug ist. Projekte oder Aufgaben, die man allein bearbeiten kann, lassen sich vormittags oder tagsüber erledigen, und Calls mit deutschen Kunden schiebt man auf den späteren eigenen Abend, wenn in Deutschland noch normaler Nachmittag oder früher Abend ist.
Je flexibler der Job, desto weniger Problem die Verschiebung. Der einzige echte Punkt ist Erreichbarkeit: Man muss sich darauf einstellen, dass man morgens in Deutschland nicht einfach mal eben durchtelefonieren kann. Wer seine Arbeit so aufteilt — Eigenarbeit zuerst, Calls am Ende des eigenen Tages — kriegt das aber gut hin.
Wenn Urlaubsgefühl und Deadline kollidieren
Ehrliche Warnung vorweg: Es ist nicht jeder der richtige Typ dafür. Man muss diszipliniert sein, wenn man remote arbeiten will — gerade in einer Stadt wie Bangkok, wo es so viele Möglichkeiten gibt, sich einfach zu verlieren. Ohne klare Regeln und Grenzen geht man schnell aus dem eigenen Rhythmus raus, und dann ist es schwer, jedes Mal wieder reinzukommen.
Mit klaren Grenzen lässt sich aber beides gleichzeitig haben: das Urlaubsgefühl und mehr Produktivität als zu Hause. Weil man sich in den Zeiten, in denen man nicht arbeitet, viel besser erholen kann und viel mehr erlebt — und dadurch schneller zufrieden und wieder motiviert für die Arbeit ist.
Die ehrliche Produktivitätsbilanz
In Coworking Spaces hat es bei mir immer super funktioniert — allein schon, weil man an einem Ort ist, an dem alle anderen um einen herum auch arbeiten. Das zieht einen automatisch mit hoch. Was bei mir dagegen nicht funktioniert hat: dauerhaft aus der eigenen Condo heraus arbeiten. Da hab ich mich viel schneller vom Handy ablenken lassen, und wenn es tagsüber in der Wohnung zu warm wurde, war die Konzentration schnell im Keller. Die Klimatisierung ist in Coworking Spaces einfach noch mal spürbar angenehmer als in einer einzelnen Wohnung.
Internet war dabei nirgendwo ein Problem, das lief immer top. Meine Empfehlung: möglichst oft ins Arbeitsumfeld gehen — Coworking Space oder Café. Und wenn es doch mal die eigene Wohnung sein muss: Handy weglegen, wenn man es nicht braucht, Fokusmodus, und bewusst Pausen einplanen statt durchzuarbeiten.
Kostenrealität
Wichtig vorweg: Einzelne Dinge kosten deutlich weniger — das heißt aber nicht automatisch, dass man insgesamt viel weniger ausgibt, wenn man einfach mehr macht. Zum Vergleich: In Deutschland lebe ich in einem kleinen Ort, bin gefühlt nur zu Hause, weil am Wochenende einfach nicht viel geht. Einmal essen gehen kostet dort schnell 20 Euro — am Anfang der eigenen Berufskarriere, ohne finanzielle Unterstützung von der Familie, einfach nicht regelmäßig machbar.
In Thailand komme ich mit einem ähnlichen Budget hin — kann aber jeden Tag dreimal essen gehen, so oft weggehen, wie ich will, eigentlich mehr, als ich überhaupt nötig hätte. Mobilität, Klamotten, alles, was anfällt: einfach günstiger. Voraussetzung ist, dass man aufpasst und sich seine eigenen Stammplätze und Tricks sucht — sonst denkt man, alles ist günstig, aber es summiert sich trotzdem, wenn man nicht drauf achtet.
- Thailändisches Essen: ab ca. 40 Baht (~1 €) pro Hauptgericht
- Westliches Essen: eher ab ca. 180–200 Baht (~5 €) pro Gericht
- Transport: meist bis ca. 100 Baht (~2,60 €) mit Grab, deutlich günstiger mit MRT/BTS (Bahn)
- Café: teils schon ab 50 Baht (~1,30 €)
- Veranstaltungen: oft kostenlos oder sehr günstig
- Massage: ca. 300 Baht (~8 €) pro Stunde
- SIM-Karte (regulärer Tarif): ca. 20 €/Monat für unbegrenztes Internet
- Miete Langzeit-Condo (mit Pool & Gym): ca. 300 €/Monat — Kurzzeitmiete etwa das Doppelte